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Maria Montessori
1. Kurzbeschreibung

Die 1870 in Italien geborene Ärztin und Pädagogin Maria Montessori hat eine Pädagogik entwickelte, die das Kind als vollwertigen Menschen achtet: Das Kind besitzt die Fähigkeit sich selbst aus seinem inneren Entwicklungsplan aufzubauen. Mit dem vorgefertigtem didaktischen Material lernen behinderte wie gesunde Kinder in einer vorbereiteten fördernden Umgebung ohne Anstrengung auf spielerische Art und Weise.

2. Leben und Werk

Maria Montessori wird 1870 in Chiaravalle nahe Ancona (Italien) geboren. Als sie fünf Jahre alt ist zieht ihre Familie nach Rom. Dort besucht Maria Montessori eine Volksschule und erfährt am eigenen Leib die zwangvolle Lernatmosphäre und die strenge Zucht und Ordnung der damaligen Erziehung. Schon bald zeigt sich eine außergewöhnliche Begabung in Mathematik und Naturwissenschaften. Deshalb wechselt sie entgegen den Willen des Vaters und für Mädchen damals unüblich auf ein technisches naturwissenschaftliches Gymnasium und besucht anschließend ein technisches Institut.

Nach Abschluß ihres Studiums der Mathematik, Physik und Naturwissenschaften strebt Maria Montessori ein Medizinstudium an, das Frauen damals in Italien noch nicht offensteht. Nach langen und harten Kämpfen mit den entsprechenden Behörden gelingt Maria Montessori die Immatrikulation an der medizinischen Fakultät. Auch während ihres Studiums stellt sie sich gegen enorme Widerstände von seiten ihrer Kommilitonen und den Angehörigen des Lehrkörpers. 1897 erwirbt Maria Montessori als erste Frau Italiens den Doktorgrad.

Als Ärztin arbeitet sie in einer Psychiatrischen Klinik in Rom. Dr. Maria Montessori kommt zu der Auffassung, dass die Intelligenz dieser geistig zurückgebliebenen Kinder viel höher einzuschätzen ist als angenommen wird. Sie glaubt, dass zu ihrer Förderung nichts anderes nötig sei, als "die im Kind vorhandenen Kräfte zu pflegen und ihnen zur Entfaltung zu verhelfen." Die geistige Rückständigkeit der Kinder wird von ihr primär als ein pädagogisches Problem erkannt.

Durch die Beobachtung der Kinder und durch ein ausführliches Studium der Schriften der französischen Ärzte Itard und Ségin entwickelt Montessori ein pädagogisches Förderprogramm. Zum Erstaunen Aller gelingt es Montessori ihre geistig zurückgebliebenen Kindern außerordentlich zu fördern. Sie beginnt Vorträge über ihre ersten Forschungsversuche und -ergebnisse zu halten und forderte Ärzte und Erzieher auf, den behinderten Kindern mit Achtung entgegenzutreten. Montessori widmet sich dem Studium der Anthropologie und Pädagogik.

1898 wird ihr unehelicher Sohn Mario geboren. Montessori lässt ihn zunächst bei Pflegeeltern und anschließend im Internat aufziehen. Sie bekennt sich erst später zu ihrem Sohn, der ihr im Alter eine große Stütze sein wird und ihr Lebenswerk weiterführen wird.

Dr. Maria Montessori denkt darüber nach, wie ihr pädagogisches Förderprogramm und ihre theoretischen Erkenntnisse auch bei normal entwickelten Kindern genutzt werden können. 1907 nimmt die 37jährige die Herausforderung an und leitet im römischen Elendsviertel "San Lorenzo" die erste eingerichtete Kindertagesstätte für vernachlässigte Arbeiterkinder.

Im "Casa dei Bambini" (Kinderhaus) kümmert sich Dr. Montessori um die kindgerechte Ausstattung der Räumlichkeiten und eine hygienisch einwandfreie Umgebung. Die Kinder leben in einer vorbereiteten Umgebung mit attraktiven Lernmaterialien. Durch intensive Beobachtung macht Maria Montessori eine zentrale Entdeckung, die später als "Montessori-Phänomen" oder "Polarisation der Aufmerksamkeit" weltweit bekannt wird: Kinder haben eine außerordentliche Fähigkeit zu anhaltender Konzentration, wenn sie die Gelegenheit haben sich in freier Wahl mit dem didaktischen Material manipulativ auseinanderzusetzen.

Tatsächlich geben die Erfolge Maria Montessori recht. Die Kinderschar im Casa dei Bambini verwandelt sich zu einer vorbildlichen Gruppe, mit gegenseitigen Respekt. Die Kinder beschäftigen sich selbstständig und erscheinen freiwillig zum Unterricht. Die Erfolge werden schnell bekannt. Sie gibt ihre akademische Laufbahn zugunsten ihrer pädagogischen "Mission" auf und hält im In- und Ausland Ausbildungskurse, Vorträge und Seminare. Noch vor dem ersten Weltkrieg verbreitet sich ihr pädagogischer Ansatz auf der ganzen Welt aus.

Maria Montessori baut ihre Pädagogik weiter aus und tritt in Gedankenaustausch mit führenden Reformpädagogen der damaligen Zeit. Bis 1915 hat Montessori ihren Wohnsitz in Italien. Danach ist Barcelona für zwei Jahrzehnte ihr Stützpunkt für zahlreiche Reisen in Europa und in die USA. 1936 muß Montessori wegen des Spanischen Bürgerkriegs flüchten. Sie lässt sich in Holland nieder.

Kurz vor dem zweiten Weltkrieg nimmt die 68jährige zusammen mit ihrem Sohn eine Einladung der Theosophischen Gesellschaft in Indien an. Dort hält sie Ausbildungskurse und Vorträge und bildet mehr als 1000 Lehrer aus.

1946 kehrt Maria Montessori nach Holland in ihr Haus nahe Amsterdam zurück, publiziert und ist nach wie vor unermüdlich tätig. Am 6.5.1952 stirbt Maria Montessori - ihre letzten Gedanken gelten der Verbreitung ihrer Methode in Afrika.