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1. Maria Montessoris Lebenslauf und Beschreibung Ihrer Persönlichkeit Sie wird im Jahr der staatlichen Einigung Italiens, am 31. August 1870 in Chiaravalle in der Provinz Ancona in Italien geboren.
1.1 Die Eltern von Maria Montessori
Ihr Vater, Alessandro Montessori (1832-1915), ist Finanzbeamter, die Mutter, Renilde Montessori, geborene Stoppani (1840-1912), stammt aus einer Gutsbesitzerfamilie und ist die Nichte des hervorragenden Naturwissenschaftlers Antonio Stoppani, der sich durch liberale Äußerungen zu Zeitfragen einen Namen gemacht hat.
Der Vater, eher einer kleinbürgerlichen Schicht zuzuordnen, sein Vater ist Angestellter in einer Tabakhandlung in Bologna gewesen, entwickelt deutlich konservative Züge. Hingegen ist die Mutter hochgebildet und vertritt liberale Ansichten. Sie reagiert Zeitveränderungen gegenüber aufgeschlossen.
Maria Montessoris Vater Alessandro hatte Arithmetik und Rhetorik studiert und wird 1850 Angestellter in der Finanzbürokratie des Vatikans. 1863 wird er Inspektor für die Abgaben der Salz- und Tabakindustrie in der Finanzverwaltung der Romagna. In dieser Funktion kontrolliert er 1865 in Chiaravalle die dortige Tabakindustrie und lernt dort Renilde kennen. Sie heiraten 1866. 1873 wird Alessandro nach Florenz versetzt. 1875 wird er nach Rom versetzt, wo dann das Ehepaar Montessori bis zu seinem Tod leben wird.
Die Biographin Maria Montessori´s, Rita Kramer, schildert das Ehepaar Montessori:
1.2 Beschreibung der kleinen Maria
Renilde erzieht ihr einziges Kind zur Selbstdisziplin. Auch soll Maria für arme Familien stricken und ein behindertes Kind in der Nachbarschaft bei Spaziergängen begleiten. Aussagen zur Kindheit Maria Montessoris bieten ihre beiden Mitarbeiter: Anna Maccheronis, die sie 1907 kennenlernte und Edward M. Standing, den sie 1921 kennenlernte. Maria besaß schon als Kind ein starkes Gefühl für persönliche Würde und konnte andere Kinder durchaus verbal herabsetzen. Außerdem soll sie auch schon als Kind eine friedensstiftende Wirkung gehabt haben. Standing berichtet:
1.3 Montessoris Grundschulzeit
Sie scheint in der Grundschule zunächst keinerlei Ehrgeiz zu haben. Standing berichtet von einer Erinnerung Maria Montessoris aus der Schule:
"Eine unserer Lehrerinnen war von der fixen Idee besessen, das Auswendiglernen von Lebensläufen berühmter Frauen müsse uns zur Nachahmung anspornen. Jede ihrer Erzählungen schloß mit der Mahnung: "Auch Ihr solltet nach Ruhm streben! Möchtet ihr denn nicht berühmt werden?" - "Oh nein" gab ich ihr eines Tages trocken zur Antwort, "Ich will nicht berühmt werden. Ich habe viel zu viel Mitleid mit den Kindern der Zukunft, als daß ich die Liste um eine Biographie verlängern möchte.""
Die Klassen waren damals überfüllt und die LehrerInnen schlecht ausgebildet. Die damaligen Schulen vermochten geistige Kräfte nicht zu entwickeln und vertraten die Stock- und Paukdidaktik. Es überrascht nicht, daß sich Maria trotz ihrer hohen Intelligenz nicht auszeichnet. Allmählich sucht sie dann doch den schulischen Erfolg. Sicher hat ihre Mutter hier eine Rolle gespielt. Sie wollte für ihre Tochter eine hochqualifizierte Ausbildung und spätere Berufstätigkeit. Maria beginnt intensiv zu lesen und beschäftigt sich vor allem mit Mathematik. Gegen Ende der Grundschulzeit nimmt sie das Mathematikbuch sogar zu Theaterbesuchen mit, um es während der Vorstellung zu studieren.
1.4 Maria geht zur Sekundarschule (1883)
Maria spielt mit dem Gedanken Ingenieur zu werden. Die Eltern bevorzugen den Lehrerberuf als Ausbildungsziel. Doch die Mutter stellt sich auf Marias Seite und unterstützt sie. Alessandro Montessori sieht in dem Wunsch der Tochter eine Neuerung, die mit seiner konservativen Weltanschauung nicht zu vereinbaren ist.
Kramer sieht in der Tatsache, daß Maria Montessori dieses Drillsystem mit vorzüglichen Leistungen absolviert und trotzdem später in kreativer Weise eine neue und weltweit rezipierte Erziehungskonzeption zu schaffen vermag, zu Recht, einen eindeutigen Beleg für die "Genialität" Maria Montessoris.
1886 machte sie den Abschluß des dreijährigen Kurses mit guten Leistungen in allen Fächern und besucht den weiterführenden vierjährigen Kurs. Auch hier ist sie erfolgreich. Insbesondere ihre Leistungen in Mathematik sind hervorragend. Gegen Ende der Institutzeit ändert sich ihr Berufsziel. Sie will Ärztin werden und Medizin studieren. Ihr Vater wird 1890 mit dem drängenden Wunsch seiner zwanzigjährigen Tochter konfrontiert, Ärztin werden zu wollen, obwohl der Arztberuf eine absolute Domäne des Mannes war. Es gab in Italien keine einzige Ärztin. Sich ihm gegenüber durchzusetzen gelingt ihr soweit, daß er das Studium nicht verbietet, sich aber deutlich von ihr distanziert.
Sie führt mit dem Professor für klinische Medizin an der Universität in Rom ein Gespräch, um die Zulassung zur Aufnahme zu erreichen. Der Versuch endet negativ. Montessori soll nach dem Gespräch gesagt haben: "Ich weiß, daß ich Ärztin werde".
1.5 Die Studienzeit Montessoris beginnt (1890)
Das Medizinstudium bestand aus zwei vormedizinischen naturwissenschaftlichen Studienjahren (Botanik, Zoologie, Physik und Chemie) und aus vierjährigen Kursen in Pathologie, Anatomie und klinischer Medizin. 1890 schreibt sich Montessori als Studentin der Mathematik, Physik und Naturwissenschaften an der Universität Rom ein und konzentriert sich auf die vormedizinischen Fächer. 1892 legt sie die Prüfung auch in Latein und Italienisch mit sehr gutem Erfolg ab und bekommt damit das Berechtigungszertifikat (Diploma di licenza) um das klinische Studium der Medizin studieren zu können. Sie stellt den Antrag und setzt sich für die Zulassung ein.
Kramer ist Zeitungsmeldungen nachgegangen, die behaupten, Papst Leo XIII habe sich für die Zulassung von Maria Montessori ausgesprochen.
1.6 Montessori beginnt das Medizinstudium (1892)
Sie beginnt im Herbst 1892 das Medizinstudium. Die Studienbedingungen gleichen der Unterrichtspraxis in den Schulen. Prüfungen beziehen sich auf Vorlesungen, deren Inhalt genauestens wiedergegeben werden müssen. Man kann sich Skripte ausleihen und den Lehrstoff am Semesterende aneignen.
Montessori lebt weiterhin bei Ihren Eltern, besucht die Vorlesungen und arbeitet zu Hause ihre Notizen durch. Sie ist nicht nur intelligent und fleißig, sondern auch dem Leben außerhalb des Studiums nicht abgeneigt. Sie ist hübsch, kleidet sich adrett, hat gepflegte Umgangsformen und ißt gerne.
Im Studium fällt sie in zweifacher Weise auf: Einmal als Frau und als fleißige und lernbegierige Studentin.
Standing bringt dazu ein Beispiel, daß ihren Lerneifer verdeutlicht: Einen Bericht über einen Professor der Medizin, der während der Studienzeit Montessoris Dozent war.
"An einem seiner Vorlesungstage tobte in Rom ein so gewaltiger Schneesturm, daß alle Hörer wegblieben, bis auf einen allerdings, und das war die "Hörerin". Als sie sich nun allein im Hörsaal fand schlug sie dem Dozenten bescheiden vor, die Vorlesung zu verschieben, wovon er aber nichts wissen wollte, denn solcher Eifer mußte seiner Meinung nach belohnt werden. Also hielt er seine Vorlesung wie immer - nur diesmal vor einer einköpfigen Hörerschaft."
Ihre Mutter unterstützt Maria im häuslichen Studium. Ihr Vater distanziert sich von ihr. Die Distanz ihres Vaters belastet sie stark, aber glücklicherweise löst sich dieser Konflikt gegen Ende des Studiums auf. 1.7 Die erste Vorlesung in Anatomie
Maria Montessori schreibt während ihrer Studienzeit einen Brief an Clara, den Rita Kramer erschlossen hat. Er berichtet von den persönlichen Problemen der jungen Medizinstudentin in der Anatomie und im Umgang mit dem Menschen als Leiche. Die erste Vorlesung fand im "Anatomischen Institut" statt. Montessori war abgestoßen von den Skeletten, Organen und Eingeweiden, die in Spiritus eingelegt waren. Die Leichen und die Knochen, mit herabhängendem rosa Fleisch, machten ihr Angst und ihr wurde schlecht.
Der Weg, ihr Ziel zu verwirklichen erschien ihr fürchterlich und sie dachte daran, ihr Studium aufzugeben. Auch ihre Eltern rieten ihr dazu. 1.8 Ein Schlüsselerlebnis Maria Montessoris
Eine Szene aus ihrem Leben wurde berühmt dafür, daß sie das Studium fortgesetzt hat. Die Szene wird auch als Schlüsselerlebnis zur Begründung des Studiums bezeichnet:
"Eines Tages war sie verzweifelt, daß sie sich dem ungleichen Kampf nicht mehr gewachsen fühlte. Als sie an diesem Abend die Anatomie verließ, war sie entschlossen, die Waffen zu strecken und nach einem anderen, weniger steilen Pfad zu suchen. Ihr Heimweg führte damals durch den um diese Stunde fast menschenleeren Pincio-Park. Während sie noch über ihren Entschluß nachgrübelte, kam sie an einer ärmlich gekleideten Frau mit einem kleinen, etwa zehnjährigen Kinde vorüber. Die unordentliche, schmutzige Person, offenbar eine gewerbsmäßige Bettlerin, begann sogleich um Almosen zu flehen. Während die Mutter ihr Klagelied sang, saß das kleine Wesen völlig unbeteiligt am Boden und spielte mit einem bunten Papierfetzen. Der Ausdruck glücklicher Selbstvergessenheit auf dem Gesichtchen des mit ganzer Seele seinem wertlosen Spielzeug hingegebenen Kindes, erregte in der zuschauenden Studentin ein Gefühl, daß kaum besser als mit dem Vers Matthews Arnolds beschrieben werden kann: "Ein Riegel wurde in der Brust zurückgestoßen und ein verlorenes Gefühl ward neu."
Ohne sich deuten zu können, was sie empfand, machte sie kehrt und ging geradewegs in die Anatomie zurück. Von Stund an war ihr Widerwille gegen die unsympathische Stätte erloschen und erwachte niemals wieder. Als sie später einmal von diesem Vorfall erzählte, sagte sie: "Erklären kann ich es nicht. So ist es gewesen. Vermutlich kommt ihnen diese Geschichte ziemlich dumm vor, und wenn Sie sie jemand erzählen, würde er sie lächerlich finden.""
Die Szene gewinnt an Authentizität wenn man bedenkt, daß Maria Montessori sich in ihren beiden letzten Jahren vor ihrer Promotion zur Expertin für Kinderkrankheiten ausbildet und mit kranken und geistig behinderten Kindern im Krankenhaus und in der Psychiatrie Umgang hat.
Die spätere Theorie Montessoris lautet: "Auch das leiblich - organisch gesunde Kind, kann "krank" sein, das heißt nicht "normal" sein und bedarf entsprechender Zuwendung und spezifischer Mittel, um sich durch die eigenen Kräfte mit Hilfe der Mittel zu normalisieren." 1.9 Zur Studienzeit von 1894 bis 1896
1894 gewinnt sie auf Grund ihrer Leistungen in Pathologie einen Preis der Rolli - Stiftung (Abteilung für Chirurgie) und 1895 einen Wettbewerb um eine vorzeitige Assistentenstelle in der Klinik. Sie sammelt früh praktische, klinische Erfahrungen. 1895 / 1896 arbeitet sie am Frauenkrankenhaus "San Salvatore al Laterno" und am Männerkrankenhaus "Ospedale Santo Spirito in Sassia" als Hilfsassistenzärztin, außerdem in der Ambulanz des römischen Kinderkrankenhauses und assistiert bei Operationen auf der Unfallstation im Notdienst.
In den beiden Jahren vor dem Examen spezialisiert sich Maria Montessori auf Kinderheilkunde und wird Expertin für Kleinkinderkrankheiten. In der psychiatrischen Klinik sammelt sie Material für die Doktorarbeit, die sich mit klinischen Problemen des Verfolgungswahns beschäftigt.
Jeder Medizinstudent war verpflichtet im letzten Studienjahr vor seinen Mitkommilitonen einen Vortrag zu halten.
Viele Zuhörer kamen nicht aus Interesse am Vortrag Montessoris, sondern in der Hoffnung auf einen Skandal. Sie behandelte ihr Thema ausgezeichnet, trug es brillant vor und faszinierte die Zuhörer durch ihre Persönlichkeit.
Am Morgen des Vortrages trifft Allessandro Montessori in der Stadt einen Freund, der ihn fragt, ob er denn nicht zu dem Vortrag seiner Tochter geht. Der Vater, der das berufliche Interesse seiner Tochter vollständig ignoriert, weiß nichts von dem Vortrag, geht aber, nachdem er überredet wird, mit. Nach der Vorlesung wird A. Montessori von vielen Menschen umringt, die ihn zu seiner Tochter beglückwünschen.
Nach Standing hat sich die Entfremdung zwischen Vater und Tochter in dieser dramatischen Szene gelöst. 1.10 Montessori erhält das Promotionsdiplom
1896 legt Maria Montessori ihre Doktorarbeit zum Thema "Contributo clinico allo studio delle Allucinazioni a continuto antagonistico" (Ein klinischer Beitrag zum Studium des Verfolgungswahns) vor, eine Arbeit von 96 handschriftlichen Seiten. Sie erhält als erste Frau Italiens das Promotionsdiplom. Ihre Leistungen sind vorzüglich: Von maximal 110 Punkten erreicht sie 105. Ihre Doktorurkunde muß handschriftlich umgeändert werden, denn der Vordruck sieht nur männliche Absolventen vor. Trotz der damaligen Ärzteschwemme sind die beruflichen Aussichten für Montessori glänzend.
Ihr Abschluß wird groß gefeiert. Es ist eine Familienfeier, an der auch der Vater voller Stolz teilnimmt, sowie auch Professoren sie durch ihre Teilnahme am Fest ehren.
Die Presse Roms berichtet von der ersten "dottoressa" Italiens. Sie steht jetzt in der Öffentlichkeit. In einem Brief an Clara schreibt Montessori: "Ich bin nicht berühmt wegen meines Könnens oder meiner Klugheit, sondern wegen meines Mutes und meiner Kaltblütigkeit gegen alles."
1.11 Die Zeit von 1896 bis 1898 nach dem Studium
Sie eröffnet eine Privatpraxis und wird auf Grund ihrer hervorragenden Leistungen am Krankenhaus "San Giovanni", das der Universität untersteht, als Assistenzärztin angestellt.
1896 nimmt sie am Internationalen Frauenkongreß in Berlin teil und erregt durch Vorträge zur Frauenemanzipation in Italien Aufsehen.
Im November wird sie Assistenzärztin in der Chirurgie am Männerkrankenhaus "Ospedale Santo Spirito in Sassia".
Ende 1896 erscheint ihre erste medizinische Veröffentlichung in einer Fachzeitschrift: "Sul significato dei cristalli di Leyden nell´ asma bronchiale" (Die Bedeutung der Leydener Kristalle bei Bronchialasthma)
1897 übernimmt sie eine Assistentur an der psychiatrischen Klinik der Universität. Hier lernt sie Dr. Giuseppe Montesano kennen, mit dem sie zur Ausbildung von Lehrern für geistig behinderte Kinder eng zusammenarbeitet.
1.12 Montessori bekommt einen Sohn
Am 31. März 1898 wird ihr Sohn Mario geboren. Er ist das Kind der Beziehung zu Dr. Montesano. Sie zieht das Kind nicht selber auf, sondern gibt es zu Bekannten aufs Land, besucht ihren Sohn aber häufig.
1913 wird sie dann Mario zu sich nehmen und er wird ihr zuverlässiger, ständiger Begleiter und der Organisator der "Bewegung".
Nach Aussagen des Sohnes Mario war Montesanos Familie und vor allem seine Mutter gegen die Heirat von Montesano und Montessori. Montessori, die ihren Willen eigentlich immer durchgesetzt hat, wird ihre Gründe gehabt haben, Dr. Montesano nicht zu heiraten. Dem Sohn hatten sie auch gesagt, sie hätten einander versprochen, niemals zu heiraten. Montesano habe dieses Versprechen gebrochen und eine andere Frau geheiratet.
Kramer: "Vor 75 Jahren hätte die Nachricht, daß sie ein uneheliches Kind zur Welt gebracht habe, die Karriere jeder Frau zerstört, sie hätte Maria Montessori sämtliche Zukunftshoffnungen beendet, jede Möglichkeit, den Beitrag zu leisten, den sie mittlerweile als den wahren Zweck ihres Lebens ansah."
Da sie die Erfahrung missen mußte, ihr Kind zu versorgen, wandte sie sich den Bedürfnissen anderer Kinder zu. Aus Liebe zu ihrem Kind, wurde die Liebe zu allen Kindern. Um 1897 bis 1901 hat sich möglicherweise ein traumatischer Zusammenhang entwickelt, bei der Abneigung gegen Montesano und dem Mann überhaupt, gegenüber Sexualität und Leiblichkeit insgesamt. Es erfolgt eine Kompensation ins Allgemein - Pädagogische. Der Verzicht auf eine eigene Familie wird ausgeglichen durch die familienähnlichen Beziehungen innerhalb der "Bewegung" mit ihren engen Mitarbeitern, meist Frauen, die einen kindähnlichen Status erhalten.
Maria Montessori gibt 1902 die Arbeit des Ausbildungsinstituts und der Modellschule auf, an denen sie mit Montesano zusammenarbeitete.
1.13 Der Übergang von der Medizin zur Pädagogik Die Jahre von 1896 bis 1906 sind für Maria Montessori eine wohl entscheidende Zeitspanne gewesen. In dieser Phase vollzieht sich der Übergang von der Medizin zur Pädagogik. Sie sieht nicht nur das organisch kranke Kind als hilfsbedürftig an, sondern gelangt zu einem breiteren Verständnis des devianten Kindes. Sie erkennt die Notwendigkeit diesen Kindern zu helfen. Als Brücke zwischen beiden Bereichen stand das behinderte Kind, dem sich sowohl die Medizin, als auch die Pädagogik zuwendet.
1.14 1896 bis 1909
Im Herbst 1899 erhält sie eine Dozentur am Lehrerinnenausbildungsinstitut in Rom und liest über Hygiene und Anthropologie. Sie macht sich mit der Geschichte der Pädagogik und mit Erziehungstheorien vertraut.
Nach dem Bruch mit Montesano verläßt sie 1902 ihr Amt als Leiterin des medizinisch - pädagogischen Instituts (mit Modellschule zur Ausbildung von Lehrern für behinderte Kinder), welches im Frühjahr 1900 eröffnet wurde.
Neben den übrigen Tätigkeiten beginnt sie ein Studium der Pädagogik, Experimentalpsychologie und Anthropologie.
Auf dem zweiten nationalen Pädagogenkongreß in Neapel Ende 1902 stellt sie Séguins und ihre Methode heilpädagogischer Betreuung vor. Seit 1904 hält sie Vorlesungen über Anthropologie und Biologie am pädagogischen Institut der Universität Rom. (1904 bekam sie den Lehrstuhl für Anthropologie).
Von 1897 bis 1906 erscheinen weitere medizinische Veröffentlichungen.
Noch vor der Eröffnung des ersten "Kinderhauses", durch welches sie weltweit berühmt wurde, hat sie bestimmte Materialien und eine spezifische Umgebung konzipiert, die sich zum Großteil nicht mehr ändern, deren Grundgedanken sie später jedoch ausweiten wird. Vor allem die Anwendung der "Methode" im Grundschulbereich wurde außerordentlich erfolgreich.
Sie baut einen Theoriezusammenhang auf, den sie in Vorlesungen von 1904 bis 1908 entfaltet und in ihrem zweiten Buch "L´ Antropologia pedagogica" (Pädagogische Anthropologie) von 1910 darstellt.
Grundlage ihrer Methode ist die Beschreibung von Meßverfahren und die Beachtung der Eigenaktivität des Kindes, außerdem eine Konzeption der spezifischen Umgebung und spezifischer Materialien sowie die Methode der Vermittlung dieser. Den Umgang mit der Umgebung, Kriterien und Instrumente zur Erfassung der Wirkung dieser Umgebung und schließlich eine anthropologische Konzeption vom Wesen des Kindes, liegen schon weitgehend ausgearbeitet vor der Eröffnung des Kinderhauses vor.
1.15 Eröffnung der ersten "casa dei bambini" Am 6. Januar 1907 wird das erste "Kinderhaus" (casa dei bambini) im römischen Stadtteil San Lorenzo eröffnet.
1.16 Erster Ausbildungskurs und "Il metodo" (1909 bis 1912)
Im Sommer 1909 hält Montessori ihren ersten Ausbildungskurs über ihre Methode in "Città di Castello" ab. Im Anschluß daran verfaßt sie innerhalb eines Monats den Text zu "Il metodo". Das Erscheinen dieses Buches macht sie schlagartig berühmt. Es wird in den nächsten Jahren in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt und erlebt 1912 in der englischen Fassung in den USA einen überwältigenden Erfolg.
Die englische Ausgabe wurde in Höhe von 5000 Exemplaren innerhalb weniger Tage vergriffen. In England wird die Montessori-Gesellschaft gegründet und in den USA ein Montessori-Komitee. In Rom hält sie den ersten internationalen Ausbildungskurs ab.
1911 wird die Montessori Methode in englischen und argentinischen Schulen praktiziert und in italienischen und schweizerischen Volksschulen eingeführt. Modellschulen entstehen in Paris, New York und Boston.
1.17 Montessoris Mutter stirbt Am 20.12. 1912 stirbt Renilde Montessori und seit dem kleidet sich Maria Montessori nur noch schwarz.
1.18 Erste Reise in die USA (1913)
Ihre erste Reise in die USA unternimmt sie 1913 und dort gelingt ihr der internationale Durchbruch. Sie wird eine weltberühmte Frau, die erste Pädagogin von internationalem Rang.
Es wird die amerikanische Montessori-Education-Society gegründet.
1.21 1917 bis 1922 - Dritte Reise in die USA und Vorträgen
1917 hält sie Vorträge in den Niederlanden, wo die niederländische Montessori Gesellschaft gegründet wird. Sie fährt zum dritten Mal in die USA.
1919 bis 1922 hält sie Vorträge in Amsterdam, Paris, Mailand und Rom sowie in Neapel und Berlin.
1.22 Montessori - Pädagogik wird zur Erziehungsmethode Italiens
1924 wird dann nach der Begegnung mit Mussolini, dem Führer des italienischen Faschismus (Machtübernahme 1922), die Montessori Methode in den italienischen Schulen eingeführt und die Montessori Pädagogik zur internationalen Erziehungstheorie Italiens. Die italienische Montessori Gesellschaft (Opera Montessori) wird von der faschistischen Regierung unterstützt.
1926 reist Montessori nach Südamerika und besucht Buernos Aires, La Plata und Córdoba.
In Genf spricht sie über Erziehung und Frieden.
1.23 Gründung der AMI
1929 wird der Association Montessori Internationale (AMI) von Montessori und ihrem Sohn Mario mit Sitz in Berlin gegründet. (Ab 1935 ist der Sitz in Amsterdam). Darüber hinaus findet in diesem Jahr der erste internationale Montessori - Kongreß im dänischen Helsingør statt.
Der Zweite findet dann 1932 in Nizza statt und 1933 der Dritte in Amsterdam. Außerdem hält sie Kurse in London, Dublin und Barcelona ab.
1.24 1933 Zerstörung der Montessori - Bewegung in Deutschland
Es ist das Jahr der Machtübernahme Adolf Hitlers. 1933 zerstört der Nationalsozialismus dann die deutsche Montessori Bewegung.
1934 findet der vierte internationale Montessori - Kongreß in Rom statt. Nach dem Konflikt mit dem italienischen Faschismus werden die Montessori Schulen geschlossen, aber ihre Methode wird für die mathematischen Bereiche angewandt.
Nachdem in Spanien 1936 der Bürgerkrieg ausbricht, verläßt sie Barcelona und kehrt zurück nach Italien.
1936 findet der fünfte internationale Montessori - Kongreß in Oxford und der Sechste in Kopenhagen statt. 1938 findet dann der siebte Kongreß in Edinburgh statt
1.25 Flucht vor dem Faschismus, neuer Wohnsitz bis 1946 in Indien
Montessori verläßt um 1936 an Bord eines englischen Kriegsschiffes Italien und läßt ihren gesamten Besitz zurück. Sie lebt bis 1939 in Amsterdam. Sie verläßt dann Europa um bis 1946 in Adjar (Indien) zu leben. Die Montessori - Bewegung bekommt auch in Indien großen Aufschwung und wird von Ghandi und Tagore unterstützt.
1945 findet die allindische Montessori Konferenz in Jaipur statt.
1.26 Rückkehr nach Europa (1946)
Nach ihrer Rückkehr nach Europa um 1946, gibt sie in London einen Ausbildungskurs, reist dann nach Schottland und wird 1947 die "Opera Montessori" in Italien neu gründen. Es findet die Feier des ersten Jahrestages der Gründung der ersten "casa die bambini" (Januar 1947) statt. Sie plant die Eröffnung einer Montessori - Universität in Madras und reist im Herbst 1947 nach Indien und 1948 nach Ceylon und macht einen Ausbildungskurs in Pakistan.
1949 findet der achte internationale Montessori - Kongreß in San Remo statt.
1950 unternimmt sie eine Vortragsreise nach Norwegen und Schweden. Danach reist sie zurück nach Italien und besucht Perugia, Chiaravalle und Mailand.
1951 findet der neunte internationale Montessori - Kongreß in London statt. Danach reist sie nach Tirol und gibt einen Ausbildungskurs in Innsbruck.
1.27 Tod Maria Montessoris (1952) Maria Montessori stirbt am 6. Mai 1952 in Nordwijk aan Zee in den Niederlanden und wird auf dem dortigen katholischen Friedhof beigesetzt.
![]() Abbildung 6: Grabstein Maria Montessori in den Niederlanden
Auf ihrem Grabstein steht geschrieben:
per la costruzione della pacé negli uomini e nel mondo"
"Ich bitte die lieben Kinder, die alles können, mit mir zusammen
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6. Das Montessori Arbeitsmaterial Itard entwickelte vor allem zwei Prinzipien, die dann bei Séguin und vor allem bei Montessori eine zentrale Rolle spielen.
6.1 Die Isolierung des einzelnen Sinnes beim Training (siehe bei Montessori unterschiedlich große Einsatzzylinder, die der Schulung der Augen dienen, das Unterschiede in der Ausdehnung erkennen muß.)
6.2 Das Prinzip von grob unterschiedlichen Sinneseindrücken zu immer feineren Unterschieden zu gelangen.
(siehe Montessoris Farbtäfelchen, aber auch wieder Einsatzzylinder und Sinnesmaterial des Gehörsinnes)
Farbtäfelchen mit acht Grundfarben und jeweils acht Abtönungen sollen paarweise zugeordnet werden. Dies erfordert Konzentration.
Zur Unterscheidung verschiedener Dimensionen sind die Einsatzzylinder, (Abbildung 10 Einsatz- zylinder Montessoris), gedacht. Der Gesichtssinn wird angesprochen, gleichzeitig gilt diese Übung als eine wichtige feinmotorische Vorbereitung zum Schreiben. Das Kind faßt die "Knöpfe" der Zylinder mit den drei Fingern an, die es später zum Halten des Stiftes benutzt. Zehn Zylinder befinden sich in jedem der vier Holzblöcke, was beiläufig auf das Zehnersystem hinweist.
6.3 Anwendung des Materials
Der/die LehrerIn zeigt dem Kind die Übung, während es zuschaut. Dann probieren sie die Übung gemeinsam. Weil die Kinder nicht nur von Lehrern, sondern auch durch Nachahmung von älteren Kindern lernen, werden in Montessori Schulen altersheterogene Gruppen bevorzugt. So finden sich häufig zwei bis drei Klassenstufen in einem Raum.
"In einer Montessori - Umgebung werden die Kinder in gemischten Altersgruppen, die etwa drei Lebensjahre umfassen, zusammengefaßt, also etwa die drei- bis sechsjährigen, die sechs- bis neunjährigen und die neun- bis zwölfjährigen; wo immer möglich, wird den Gruppen eine leichte Zugangsmöglichkeit untereinander gewährt. Eine der zweckmäßigsten Neuerungen, die unsere Schule eingeführt hat, besteht meiner Ansicht nach darin, daß wir Kinder verschiedenen Alters in Gruppen zusammenfassen, in denen sie miteinander leben und lernen.
Da gibt es nicht nur auf der materiellen Ebene Hilfe, irgendwie findet auch auf der Ebene der Handlungen und Gefühle wirklich etwas statt. Ich glaube, eines Tages wird man verstehen, daß es der Natur zuwider läuft, wenn man Kinder nach Jahrgängen voneinander trennt - es schafft Langeweile und erschwert den geistigen Austausch. Auch die intellektuelle Entwicklung wird behindert, wenn Personen gleichen Alters separiert werden, denn dies führt zu intellektuellem Wettbewerb, weil Erwachsene häufig, um Unterschiede zwischen den Kindern auszumachen, dazu Zuflucht nehmen, solche über und unter einem künstlichen Durchschnitt herauszufinden.
Die gemischten Altersgruppen ermöglichen es, daß nicht nur Wettbewerb verhindert, sondern auch Neid, Disziplinprobleme und exzessive Abhängigkeit von Erwachsenen abgebaut werden. Die sozialen Beziehungen der Kinder untereinander werden verstärkt."
Bei den Materialien handelt es sich nicht um "Spielzeug", mit dem Kinder gemeinsam spielen können (Montessori nennt es Arbeitsmaterial). Sie stellen vielmehr Hilfsmittel dar, die das Kind zu einer gegebenen Zeit benutzt, um bestimmte Funktionen zu entwickeln. Der Unterricht in einer Montessori Schule besteht zu einem großen Teil aus sogenannter "freier Arbeitszeit" bzw. "Freiarbeit"
6.4 Montessori stellt folgende Anforderungen an das Material
Die geometrischen Kreise sind beweglich und austauschbar. Sie dienen dem anschaulichen Lernen der Bruchrechnung. Dazu gibt es Aufgabenkarten, mit denen die Kinder Aufgaben gestellt bekommen.
6.5 Montessori Material: Übungen des täglichen Lebens
Séguin kannte auch bereits die Übung, eine Jacke zuzuknöpfen und einen Schuh zuschnüren zu müssen. Er ließ seinen Zögling Klötze in bestimmten Dimensionen miteinander kombinieren und legen um dem Griff Festigkeit zu geben.
Ein Nagelbrett, das mit Löchern durchbrochen ist, in die einige Nägel genau passen, die das Kind hineinsteckt und herauszieht, ist dafür gedacht, die Hand in Präzision zu üben.
Unähnliche Dinge werden durch Gegenüberstellung gelehrt. Übungen, die üblicherweise mit den Augen gemacht werden, werden mit den Fingern ausgeführt. Sitzen wird durch Stehen abgelöst. Aufmerksames Schweigen wird durch das Ausstoßen von Lauten ersetzt.
Zusätzlich gibt es auch Material zu den "Übungen des täglichen Lebens". Die "Übungen des täglichen Lebens" bestehen bei Montessori aus Schnürriemen binden, Gürtelschnallen öffnen und schließen sowie aus kochen, putzen, waschen, bügeln, u.s.w.. Die Kinder lernen dies schon im frühen Alter, mit geeignetem kindgerechten Material, in der Größe an das Kind angepaßt, um sie so zur Selbständigkeit zu erziehen.
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7. Kurzer Überblick über die Maria Montessori - Methode
7.1 Freie Arbeit
Die Freiarbeit nimmt in der Schule einen hohen Stellenwert ein. Die Räume müssen entsprechende Weite haben (Bewegungsfreiheit/psychisch wohltätige Wirkung). Das Kind kann sich im Klassenzimmer frei bewegen und sich beschäftigen (Beschäftigungsfreiheit). Der Raum muß auch die Möglichkeit der Isolierung bieten (Absonderungsmöglichkeit einzelner oder einer Gruppe) Die Umgebung ist ansprechend, wohnlich mit Pflanzen und Tieren gestaltet. Die Einrichtungsgegenstände lassen sich nach Belieben verschieben, solange die anderen Kinder nicht dabei gestört werden (Gestaltungsfreiheit). Tische stehen in Tischgruppen unterschiedlicher Größe, in der sich der Tisch des Lehrers eingliedert, die Kinder dürfen entscheiden, mit wem sie arbeiten wollen (Alleine, Partner- oder Gruppenarbeit).
An den Wänden stehen offene Regale , in denen Material zur Selbstbildung steht. Das Kind darf das Thema selbst wählen, das Material selbst wählen und darf auch von einem Klassenraum in den anderen gehen. Die Klassen- bzw. Gruppenräume sind nicht streng voneinander getrennt. ("Jede Gruppe hat ihre Umgebung, ist aber nicht voneinander isoliert").
Damit es nicht zu Mißverständnissen führt: die Montessori - Schule gibt den Schülern nur eine begrenzte Auswahl an Material, die Kinder können nicht lernen, was sie wollen. Es gibt ein vorgeschriebenes Programm. Es wird den Kindern so viel Freiheit wie möglich, innerhalb des Rahmens, gegeben.
7.2 Sensible Phasen
(Den Begriff "sensible Phasen" hat Montessori 1917 von de Vries übernommen)
Es handelt sich um besondere Empfänglichkeiten, die in der Entwicklung, daß heißt im Kindesalter der Lebewesen auftreten. Sie sind von vorübergehender Dauer und dienen nur dazu, dem Wesen die Erwerbung einer bestimmten Fähigkeit zu ermöglichen. So bald dies geschehen ist, klingt die entsprechende Empfänglichkeit wieder ab." 10
Die erläutert sie anhand von Beispielen aus der Praxis. Sie geht auch auf Anzeichen ein, die das Einsetzten der "Sensiblen Phasen" erkennen lassen. Unter anderem hebt sie auch die "Sensible Periode" des Ordnungssinns hervor. Sie stellt mit einigen Beispielen die quälenden Konflikte, die in der kindlichen Seele hervorgerufen werden, wenn das Kind im Umfeld eine Unordnung der Dinge und der Personen wahrnimmt, vor
7.3 Die kosmische Entfaltung des Kindes Damit ist gemeint, daß alle Lebewesen mit ihrer Umgebung, in einem wechselseitigen Abhängigkeitsverhältnis stehen. Alle Lebewesen habe eine "kosmische Mission auf der Erde". Wir sind alle Teil einer "kosmischen Ordnung" und haben den Auftrag, unsere Aufgabe zu erfüllen. Die Grundlage der Montessori - Erziehung ist, daß wir Teil dieser "kosmischen Ordnung" sind und die "kosmische Entfaltung" des Kindes berücksichtigen sollten. Die Bedürfnisse eines jeden lebenden Wesens sollen befriedigt werden. Wichtig ist ihr dabei der Respekt vor dem menschlichen Wesen in allen Stufen seiner Entwicklung
7.4 Polarisierung der Aufmerksamkeit zur Normalisierung des individuellen - schöpferischen Lebens
Damit ist gemeint: Die Aufmerksamkeit des Kindes ist auf eine einzige Sache gerichtet, zum Beispiel auf die Handhabung eines bestimmten Materials. Diese Konzentration bewirkt bei dem Kind eine sogenannte "Normalisierung". Läßt man das Kind in Ruhe mit der bestimmten vorbereiteten Umgebung, dann entwickelt es sich "normal". Dazu gibt es ein berühmtes Beispiel, das sich als Montessori - Phänomen bezeichnen läßt und in die Geschichte der Pädagogik eingegangen ist.
Montessori erzählt eine Begebenheit von einem dreijährigen Mädchen, das tiefversunken mit einem Einsatzzylinderblock beschäftigt war:
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8. Die Rechte des Kindes
Der Text über die "Rechte des Kindes" aus der Zeitschrift für Montessori - Pädagogik "Das Kind" enthält zehn Grundsätze. Er wurde mit der Genehmigung der deutschen UNESCO - Kommission abgedruckt. In groben Stichworten behindert er die Grundsätze,
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9. Bedingung der Erziehung: Verständnis der Erwachsenen
Der Anspruch Montessoris ist der, die Erwachsenen im Hinblick auf ihr Verhalten zu den Kindern zu sensibilisieren und zu verändern. Sie kritisiert die Erwachsenen vor allem in "Kind sind anders".
Sie beschreibt, wie schon direkt nach der Geburt das Baby unsanft berührt, gewaschen, in Decken und enge Kleidung gehüllt, grellem Licht und Kälte ausgeliefert und der Mutter fortgenommen wird. Montessori hat hierzu ein Gedicht geschrieben (siehe "Kinder sind anders", Seite 33 ff).
Das Verhalten der Erwachsenen beschreibt sie wie folgt:
Mit einem solchen Verhalten glaubt der Erwachsene um das Wohl des Kindes eifrig, voll Liebe und Opferbereitschaft besorgt zu sein. In Wirklichkeit aber löscht er damit die Persönlichkeit des Kindes aus."
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10. Relevanz und Verbreitung des Modells Maria Montessoris in Kultur und Praxis
Die Montessori - Methode ist auf der ganzen Welt heute noch sehr verbreitet und es entstehen immer mehr Montessori - Kinderhäuser und Montessori - Schulen.
Viele Straßen wurden nach ihr benannt. Um nur einige zu nennen:
Darüber hinaus gibt es viele Schulen, Organisationen und Privatleute, die ihre Konzepte, Satzungen und Referate weltweit im Internet anbieten. Allein die Internetsuchmaschine ALTAVISTA bietet zu dem Schlüsselwort "Montessori" genau 17.926 Verweise an. Ein kleine Auswahl der "links":
(Diese Quellen habe ich unter anderem bei der Recherche zum meinem Referat genutzt.)
Die Elemente der Montessori - Pädagogik und das Material sind auch in "Nicht - Montessori - Schulen" weit verbreitet. Das Kultusministerium führte in allen Schulen Material ein, das Montessori benutzte.
Die Umgebung nach Montessori ist eine gute Alternative zur allgemeinen Reizüberflutung. Das Material überzeugt durch Einfachheit, es ist übersichtlich geordnet und in nicht zu großer Anzahl vorhanden. Zusätzlich ist das Montessori - Material sehr gut für behinderte Kinder geeignet.
Auch heute noch sollten sich Eltern, ErzieherInnen, PädogInnen und LehrerInnen mit den Grundsätzen ihrer Methode befassen. Immer noch werden die Bedürfnisse des Kindes zu wenig beachtet. Außerdem besteht zu wenig Wissen und Sensibilität über die Auswirkung des Verhaltens durch den Erwachsenen auf das Kind und sein späteres Leben.
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11 Quellennachweis
Literatur:
Helmut Heiland: Maria Montessori,
Renilde Montessori: Uns drückt keine Schulbank,
Maria Montessori: Kinder sind anders,
Maria Montessori, Schule des Kindes - Montessori Erziehung in der Grundschule, Hrsg.: Paul Oswald & Günter Schulz-Benesch. Freiburg i. Br.
Rita Kramer: Maria Montessori. Leben und Werk einer großen Frau.
Edward M. Standing: Maria Montessori. Leben und Werk.
Krenberger (Hg.): Edward Séguin
Internet:
Montessori Network http://www.montessori.org
Montessori World Ltd. http://www.montessori.co.uk
London Montessori Centre Online http://www.montessori.ac.uk
Stefan Seigel http://www.stepnet.de/privat/seigel/
Vorlesung:
Seminar Theorien und Modell der Sozialpädagogik, Klaus Tophofen
Falls euch das Referat gefallen hat oder ihr einige Verbesserungsvorschläge bieten könnt oder einfach nur mir so eine "Feedback" geben möchtet:
von Claudia Onida mit freundlicher Genehmigung |